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WM-Fieber

Fußballgucken im Kreißsaal

Von Britta Havlicek und Tobias Christ, 17.06.10, 15:27h

Wenn am Freitag um 13.30 Uhr Deutschland gegen Serbien spielt, wollen auch die gucken, die an dem Tag arbeiten müssen. In vielen Firmen ist dies möglich, doch am weitesten geht der Service im Brühler Marienhospital - dort wird ein Fernseher im Kreißsaal aufgestellt.

Fernseher im Kreißsaal
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Dr. Morka (l.) und Dr. Schmidt schalten im Kreißsaal den Fernseher ein, wenn werdende Eltern das WM-Spiel nicht verpassen wollen. (Bild: Havlicek)
Fernseher im Kreißsaal
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Dr. Morka (l.) und Dr. Schmidt schalten im Kreißsaal den Fernseher ein, wenn werdende Eltern das WM-Spiel nicht verpassen wollen. (Bild: Havlicek)
Brühl/Rhein-Erft - Schwarz-rot-goldene Fähnchen, die quer durch das Wartezimmer gespannt sind. Ein Oberarzt, der auf dem Boden kniet und an einem Beamer schraubt. Und eine Sekretärin, die abschätzt, wie viele Bierbänke oder Stehtische dort Platz finden. Was ist denn da los, im Wartebereich der gynäkologischen Abteilung des Marienhospitals in Brühl? Die Antwort kommt von Dr. Carl-Michael Schmidt, ärztlicher Direktor des Krankenhauses und Chef der Gynäkologie: „Hospital-Viewing!“

Das heutige WM-Spiel Deutschland gegen Serbien wollen die wenigsten verpassen. Und auch die Angestellten des Marienhospitals in Brühl sollen die Gelegenheit haben, ihrer Elf zuzujubeln und kein Tor zu verpassen. Diese Idee hat die gesamte gynökologische Abteilung ausgeheckt und das Hospital-Viewing organisiert. Die Verwaltung spendiert Wasser, Bier und Brötchen. „Wenn nicht gerade eine OP oder ein Notfall ansteht, sollen die Mitarbeiter gucken können“, sagt Schmidt. „Die Patientenversorgung ist natürlich gesichert - auch, wenn eine Entbindung ansteht.“ Und genau in so einem Fall könnte es besonders spaßig in der gynäkologischen Abteilung werden. Denn natürlich flimmert der Fernseher nicht nur für die Ärzte, Schwestern und Pfleger. Auch werdende Mütter und Väter können das Spiel verfolgen: auf Monitoren vor den Kreißsälen - und sogar in den drei Kreißsälen selber. Was tun, wenn Wehen und Anpfiff gleichzeitig einsetzen? Wenn die Frau kreißt, während Jogis Jungs um den Ball kreisen? Kein Problem. Dr. Schmidt, Assistenzärztin Dr. Angelika Morka oder andere Mitarbeiter stehen stets bereit und greifen nicht nur nach Nabelschere und Co, sondern auch zur Fernbedienung. Aber natürlich nur, wenn die werdende Mutter es so möchte. Es ist schließlich nicht jedermanns - oder besser: jederfraus - Sache, ein Kind in einer umfeierten Torminute und unter Vuvuzela-Getröte auf die Welt zu bringen.

Klar ist: Am heutigen Freitag ist alles ein bisschen anders im Rhein-Erft-Kreis. Auch in Schulen steht ab 13.30 Uhr oft nur eines auf dem Stundenplan: WM gucken. Das Brauweiler Abtei-Gymnasium etwa richtet für Schüler, die normalerweise am Nachmittag Unterricht haben, ein Public Viewing ein. Vuvuzelas sind zwar tabu, dafür verkauft die Jahrgangsstufe zwölf (alkoholfreie) Getränke. Die Entscheidung zum innerschulischen „Rudel-Gucken“ habe „100 Prozent Zustimmung von Kollegen und Schülerschaft erfahren“, berichtet Schulleiter Horst Büttner kaum überrascht. Auch in der städtischen Realschule Frechen frönen Schüler und Lehrer im Foyer dem Fußball. Im Wesselinger Lyondell-Basell-Werk gibt es - nach Absprache mit dem Chef - für die Mitarbeiter ebenfalls fußballfrei. Im Werkscasino wird eine Großleinwand aufgebaut.

Dem WM-Fieber restlos verfallen sind die Mitarbeiter der Firma Bosch-Autoservice Beißel. Die zwölfköpfige Belegschaft verabschiedet sich am Nachmittag zwei Stunden lang geschlossen zum WM-Vergnügen in eine Gaststätte. Sollte Deutschland die WM gewinnen, gibt es für alle einen Tag Sonderurlaub obendrauf: „Wir sind alle durchweg fußballbegeistert“, so Mitarbeiter Patrick Eschweiler.



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