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KRIMINALITÄT

Weniger Straftaten junger Leute

Von Dennis Vlaminck, 12.05.10, 18:02h

Die Zahlen sind beeindruckend: 479-mal musste die Jugendgerichtshilfe 2009 in Bergheim tätig werden, 2008 waren es noch 610 Fälle - das entspricht einem Rückgang bei der Jugendkriminalität um 21,5 Prozent.

Jugendkriminalität
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Die Jugendkriminalität in Bergheim ist zurück gegangen. (Symbolbild: dpa)
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Die Jugendkriminalität in Bergheim ist zurück gegangen. (Symbolbild: dpa)
Bergheim - Die Bergheimer Stadtverwaltung führt diesen Erfolg auf ein Bündel von Maßnahmen zurück, das 2007 erst als Reaktion auf einen starken Anstieg bei der Jugendkriminalität auf den Weg gebracht worden war: 2005 lag die Zahl der Straftaten, die Jugendliche im Stadtgebiet begangen hatten, gerade mal bei 343.

„Das ist der Erfolg eines ganzen Teams“, sagt Bergheims Beigeordneter Peter Ludes, der die Zahlen nun vorstellte. Man sei auf dem besten Weg, die Jugendkriminalität in Bergheim „auf ein Grundrauschen“ zurückzuführen. „Das haben wir erreicht, wenn wir wieder unter einer Zahl von 400 Fällen liegen.“

Ein eigener Staatsanwalt

Zentraler Bestandteil im Kampf gegen die Jugendkriminalität: der „Staatsanwalt für den Ort“, ein Modellprojekt, dessen Einführung sich die Bergheimer auf die Fahne schreiben und das jetzt auch in Bedburg, Elsdorf und Pulheim umgesetzt wird. „Die Staatsanwaltschaft war bis 2007 noch nach Buchstaben organisiert, so dass mehrere Staatsanwälte für Jugendliche aus Bergheim zuständig waren“, sagt Ludes. Jetzt habe Bergheim „seinen“ Staatsanwalt, der sich bestens in der Stadt auskenne und in ständigem Austausch mit Polizei und Jugendgerichtshilfe stehe.

„Gelbe Karte“

Einmal im Monat finden so genannte Diversionstage unter dem Motto „Gelbe Karte“ statt, also Verhandlungen, an denen auch Polizei und Jugendgerichtshilfe teilnehmen und an denen der Staatsanwalt den auffällig gewordenen Jugendlichen ins Gewissen reden kann. „Wichtig ist, dass die Reaktion auf eine Straftat schnell kommt“, berichtet Ludes. „Die Strafe muss auf dem Fuße folgen.“ Vorher habe ein Jugendlicher oft acht oder neun Monate auf ein Gerichtsverfahren warten müssen. „Es geht nicht darum, einen Jugendlichen streng zu bestrafen, sondern ihm zu sagen: »Stopp, das ist der falsche Weg.«“

Dabei nutzt der Staatsanwalt eine Möglichkeit des Rechtssystems: Statt es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen zu las sen, kann er das Verfahren einstellen - und dazu eine Buße verhängen. Das können Sozialstunden oder Schadenswiedergutmachung sein, aber auch Präventionskurse mit Sozialarbeitern, die nur wenige Tage nach der Verhandlung stattfinden. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Von 132 Jugendlichen, die seit 2007 an den inzwischen 17 Verhandlungen teilnahmen, sind laut Ludes nur 15 ein zweites Mal straffällig geworden.

Die so genannten Intensivtäter absolvieren ein eigenes Programm: Dazu gehört die Strenge (mit einem Besuch der Polizei und der Jugendgerichtshilfe zu Hause), aber auch das Angebot an den Jugendlichen und seine Familie, weitere Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Wir suchen einen Ausweg aus der Spirale weiterer Straftaten“, sagt Ludes. Seit einem halben Jahr werden in Bergheim sieben Jugendliche und ihre Familien mit der „aufsuchenden Familienarbeit“ betreut.

Der „Staatsanwalt für den Ort“ ist jedoch nur ein Knoten in einem ganzen Netz von Maßnahmen, das Ludes als „deutschlandweit einmalig“ bezeichnet. Mo bile Jugendarbeit, Projekte an Haupt- und Förderschulen wie „Übergang Schule-Beruf“, „Berufseinstiegsbegleiter“, „Lebenslauf“ und „Zukunftspaten“, die Distriktteams gegen das Schulschwänzen und vieles mehr sorgten dafür, dass sich früh um Jugendliche gekümmert werde, deren Schulabschluss in Gefahr ist. „Perspektivlosigkeit und Gedankenlosigkeit sind Gründe, weshalb Jugendliche auffällig werden“, sagt Ludes. Es führe kein Weg daran vorbei, junge Leute stärker zu lotsen, „sie regelrecht zu ihren Zielen hinzutragen“.

Der Erfolg der Bergheimer Bemühungen schlägt sich bei einem Rückgang der Vandalismuszahlen nieder. 2007 verbuchte die Stadt noch Schäden in Höhe von 250 000 Euro an öffentlichen Gebäuden, 2009 waren es noch 98 000 Euro. Innerhalb eines Jahres sind die Graffitischäden um 50 Prozent und die Glasschäden um 70 Prozent zurückgegangen. Die Fälle, in denen die Täter den Schaden ersetzen mussten, sind wiederum stark angestiegen: von elf Prozent im Jahr 2007 auf 30 Prozent im vorigen Jahr.

Unrühmlicher Spitzenreiter in der Bergheimer Jugendkriminalitätsstatistik ist nach wie vor Quadrath-Ichendorf. Mit 119 Fällen verbucht der Ortsteil rund 24 Prozent aller Jugendstraftaten im gesamten Stadtgebiet. Erst vor einigen Monaten konnte die Polizei hier eine dreiköpfige Jugendbande dingfest machen, für besonders brutal Raubüberfälle verantwortlich gewesen sein sollen. Seit diesem Zeitpunkt ist es laut Polizei in Quadrath-Ichendorf zu „keinen weiteren Auffälligkeiten“ mehr gekommen. Hinweise auf eine neue Bande gebe es nicht.

Die Polizei jedenfalls sah Grund zu viel Lob für die Arbeit der Bergheimer und wenig Anlass zu weiteren Maßnahmen in Quadrath-Ichendorf. Auf die Frage von Alfred Friedrich (FDP) im Hauptausschuss, ob denn für die berüchtigte Bahnunterführung an der Frenser Straße eine Kameraüberwachung eine denkbare Lösung sei, gab Kriminaldirektor Werner Goertz eine ablehnende Antwort. Das Polizeigesetz gebe eine solche Überwachung nicht her - dafür geschähen in Quadrath-Ichendorf mit einer Fallzahl von zwölf im Jahr zu wenige Raubüberfälle. „Sicher, jeder Fall ist einer zu viel“, sagte Goertz. „Aber einer im Monat ist für eine Videoüberwachung dann doch zu wenig.“



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