Von Bettina Jochheim, 23.04.10, 15:25h
„Das ist ein unglaubliches Gefühl“, freuen sich Gerd Jäger und Uli Siegmann schon jetzt. Seit Jahren stellen sie sich nicht allein der sportlichen Herausforderung. Siegmann gehört zum Helferteam und unterstützt die Organisatoren Frank Belz und Dieter Schellenburg tatkräftig. Er misst die Strecke aus, verteilt Flyer und Plakate, hilft beim Aufbau der Zelte und bringt Absperrbänder im Park an. Auch Jäger rührt die Werbetrommel, diesmal zugunsten der Brühler Tafel. Gemeinsam mit dem Brühler Rotary Club möchte er „die Besonderheit des Laufs nutzen, um Sponsorengelder zu erlaufen“.
„Nicht zu vergleichen“
„Ins Stadion einzulaufen ist toll“, sagen Jäger und Siegmann übereinstimmend. „Da wird man angefeuert, da ist ein unvergleichlicher Jubel. Der Zwölf-Stunden-Lauf in Brühl ist mit keinem anderen Lauf in Deutschland zu vergleichen“, sagt Jäger. Schließlich gehe niemand nach dem sportlichen Ereignis einfach nach Hause, vielmehr feiere man anschließend gemeinsam.
2,5 Kilometer lang ist der Parcours. Sonnige Abschnitte und schattige Passagen wechseln sich ab. „Sie machen sich keine Vorstellung, wie sehr man sich nach dem Schatten sehnt“, sagen die Läufer.
Das Schönste aber sei, auf das Schloss zuzulaufen. „Einen solchen Blick hat man sonst nirgendwo“, sagt Jäger, zum fünften Mal beim Brühler Lauf dabei. „Dafür sind wir der Schlossverwaltung auch sehr dankbar.“ „Auf dieser Strecke kann sich jeder wohlfühlen“, so der passionierte Läufer weiter, „die Wege sind gleichmäßig eben, es gibt keine Steigung.“
Nachdem der Traditionslauf im vergangenen Jahr ausgefallen ist, weil das Schlossparkstadion saniert wurde und geschlossen war, scheint der Andrang in diesem Jahr so groß wie nie zuvor - sowohl für den Einzel- als auch den Staffellauf, sagt Belz. Voraussetzung sei allerdings, dass man gesund sei. „Das ist eine Ultra-Marathon-Veranstaltung, schließlich werden wesentlich mehr als die 42,195 Kilometer absolviert.“ Der Rekord liege bei 152 Kilometern und sei vor Jahren von Helmut Dreyer aus Braunschweig aufgestellt worden. Gehe eine Mannschaft an den Start, müsse immer einer der fünf Sportler unterwegs sein. Teams wie etwa die „Rauchenden Socken“, „Graue Burggeister“ oder die „Polenten“ (eine Auswahl von Polizisten) stehen bereits auf der Teilnehmerliste.
Wer seine Konstitution offensichtlich überschätze, werde aus dem Lauf herausgenommen und medizinisch versorgt. „Der Ehrgeiz ist manchmal krass. Aber die Menschen sind alle unter Beobachtung“, sagt Schellenburg und fügt hinzu, dass die Johanniter-Unfallhilfe mit Notärzten während des gesamten Laufs vor Ort ist. In der Regel komme es zu etwa 40 bis 50 Einsätzen. „In den meisten Fällen haben die Läufer einfach nicht genug getrunken“, so Siegmann, der in diesem Jahr zum neunten Mal an den Start geht. Hätten wir solche Helfer wie beispielsweise Jäger, Siegmann oder die Unterstützung vieler Brühler Vereine nicht, „gäbe es den Lauf schon längst nicht mehr“, befürchtet Schellenburg. „Auch ohne das ganze Publikum könnte man die Veranstaltung vergessen“, fügt Siegmanns hinzu. Traditionsgemäß endet der Lauf mit dem Böllerschuss aus einer Kanone. Jeder Läufer bleibt genau dort stehen, wo er gerade angelangt ist. Mit Messrädchen der Polizei messen Helfer dann aus, wie weit jeder Einzelne von Start / Ziel entfernt ist.
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