Von Michael Kasiske und Valerie Pütz, 18.04.10, 14:18h
In einer Bank sitzt ein wohlgenährter Mann in schwarzer Sicherheitskleidung, darauf die Aufschrift Harley Davidson, neben ihm eine ältere Dame im Mantel mit frisch gelegten Haaren. Manche Motorradfahrer sind lieber vor der Kirche geblieben und mancher Messebesucher hat die Kirche schnell wieder verlassen, während der Priester Michael Eschweiler versucht, mit beiden Gruppen zusammen eine Messe zu feiern.
„Bei dem sonnigen Wetter rauf auf die Kiste und dann fahren bis der Motor brennt, das streichelt die Seele“, erklärt der Priester einen Grund für Optimismus im Leben. Auch die Fußballergebnisse greift er auf, was für Erheiterung in der Kirche sorgt: „Zum Beispiel gestern Abend, der FC gewinnt mit dem Blick in den Abgrund trotzdem 2:0.“ In ganz lockerem Ton kommt Eschweiler in seiner Predigt dann doch auf den Glauben zu sprechen: „Auf der Straße des Lebens muss man in einer Spur bleiben, das ist nicht einfach und man darf das Vertrauen nicht verlieren.“
Wie im Evangelium berichtet wird, folgten die Jünger der Anweisung Jesus und fischten zu ungewöhnlicher Zeit. Völlig überraschend hatten sie dem Rat Jesu folgend volle Netze, weswegen der Priester den Bikern zuruft: „Alles ist möglich auf der Straße des Lebens, bleibt in der richtigen Spur und traut den guten Worten des Lebens.“ In den Fürbitten bitten die Kirchenbesucher dann um Schutz vor Stürzen und für verstorbene Motorradfahrer.
Nach der Messe gehen die Biker wieder zu ihren Maschinen. Der Priester geht herum, segnet sie und wünscht eine gute Fahrt. Dann werden die Motoren gestartet und die Biker fahren in einem Korso durch Urfeld zur Grundschule, wo weiter gefeiert wird.
„Seine Art in diesen Messen ist unschlagbar, denn er bringt die Leute auch zum Lachen“, erklärt Sebastian von Lassaulx von der Männerreih Wesseling-Urfeld über den Priester Eschweiler. Zum neunten Mal hatte die Männerreih zur Motorradsegnung in der Region eingeladen. „Sicher sind 90 Prozent der Gäste keine regelmäßigen Kirchgänger“, sagt Lassaulx und freut sich gerade deswegen über den Besuch des Priesters Michael Eschweiler aus Wuppertal, der selber aber gar nicht Motorrad fährt. „Doch er ist Ehrenmitglied in der Männerreih und hat eine Beziehung zum Verein“, betont Lassaulx. Viel Werbung für die Motorradsegnung macht die Männerreih absichtlich nicht: „Wir sind jetzt schon an der Grenze, denn für weitere Maschinen ist rund um die Kirche einfach kein Platz mehr“. Fast hundert Biker waren beim Motorradsegen in Wesseling-Urfeld mit ihrem Maschinen zu Gast.
Mit knatternd lauten Maschinen fanden sich am Samstagnachmittag rund 90 Biker zum ökumenischen Motorrad-Gottesdienst „Bet & Bike“ am Clubheim des Motorradclubs Äschmänn zusammen. Bereit zur Abfahrt strahlten vor dem Clubheim in Quadrath die polierten Maschinen in der Sonne. In einer 45 Kilometer langen Rundfahrt und bei perfektem Motorrad-Wetter führte der Weg der Fahrer über Glessen, Rheidt, Büsdorf, Fliesteden und Auenheim zunächst zur katholischen Kirche St. Vinzentius in Oberaußem. Anschließend ging es von dort aus weiter zur evangelischen Kirche in Niederaußem.Bereits zum vierten Mal fand der Motorrad-Gottesdienst, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut, statt. „Bei unserem Motorrad-Gottesdienst treffen Fahrer jeden Alters und mit den verschiedensten Maschinen zusammen. In diesem Jahr ist das Wetter natürlich perfekt, deswegen ist die Beteiligung noch besser als sonst“, freute sich Ulrich Zander, Vorsitzender des Motorradclub Äschmänn.
Die Messen hielten Kreisdechant Achim Brennecke und Pfarrer Matthias Berrenradt, die ebenfalls eine kurze Strecke als Beifahrer auf den Motorrädern unterwegs waren. „Wenn man einmal auf einem Motorrad mitgefahren ist, versteht man erst, wie viel Kraft eigentlich hinter den Maschinen steckt und wie leichtfertig manchmal damit ungegangen wird“, sagte Zander.
Bei der halbstündigen Kolonnenfahrt zur Kirche stand deshalb vor allem die Sicherheit von Motorrad- und Autofahrern im Vordergrund: Um Unfälle zu vermeiden, fuhr die Gruppe nicht schneller als 70 Stundenkilometer. Zusätzlich waren Sicherheitsfahrer im Einsatz. Die Autofahrer zeigten jedoch wie jedes Jahr viel Verständnis für die große Motorrad-Kolonne: „Es ist ja auch ein schöner Anblick, so viele Motorräder gemeinsam auf der Straße zu sehen“, so Zander.
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