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Comiczeichner

Kritzeln statt Aufpassen

Von Christian Grosse, 09.04.10, 09:13h, aktualisiert 09.04.10, 10:30h

Es gibt viele Arten, schon in der Schule einen großen Sprung auf der Karriereleiter zu machen und durch Engagement zu zeigen, dass man zu Höherem berufen ist. Sich bei den Lehrern beliebt zu machen ist nur eine davon.

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Gewusst wie: einfach die Karriere auf dem aufbauen, was die Lehrer in der Schule noch genervt hat.
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Gewusst wie: einfach die Karriere auf dem aufbauen, was die Lehrer in der Schule noch genervt hat.
Kerpen - Man kann Schülersprecher werden, in der Schülerzeitung zum Nachwuchs-Journalisten avancieren oder bei „Jugend forscht“ gewinnen.

Die bei Weitem lässigste Karriere legt jedoch der schuleigene Star-Comiczeichner hin: Sein Talent, das er durch stundenlange Arbeit an seinen Bleistiftkritzeleien während eintöniger Physik-Stunden perfektioniert hat, beschert ihm haufenweise Bewunderung. So kann er sich gegen jeden fiesen Lehrer mit zugespitzten Karikaturen rächen und Mitschüler durch die abstrakte Darstellung ihrer Verhaltensweisen bis auf die Knochen blamieren - und andernorts dafür Lacher kassieren.

Akte zeichnen

Zu dieser erhabenen Schüler-Gruppe gehörte zu seiner Schulzeit auch Christoph Jansen aus Kerpen. „Kritzeln statt aufpassen - das war auf jeden Fall die Devise“ sagt er, als er auf das Thema angesprochen wird. Obgleich viele talentierte Maler ihr Talent mangels Möglichkeiten, damit Geld zu verdienen, nicht weiterverfolgen, hat der 27-Jährige sein Hobby zum Beruf gemacht. Christoph Jansen arbeitet als selbstständiger Grafik-Designer und Comiczeichner. „Zeichnen war einfach das, was ich von allem am besten konnte. Ich wusste natürlich, dass das ein risikoreicher Job ist. Aber auf der anderen Seite stand für mich die Chance, mit etwas, das mir richtig Spaß macht, Geld zu verdienen“, begründet Christoph seine Entscheidung.

Nachdem der Kerpener an einigen Hochschulen nicht das fand, was er suchte, schrieb er sich an der Rhein-Sieg-Akademie für realistische bildende Kunst und Design (RSAK) ein. „Der Vorteil ist, dass das Studium dort zur Hälfte auf Werbung ausgelegt ist und zur anderen Hälfte auf den künstlerischen Teil. Da lernt man, seine Kunst so zu benutzen, dass man auch relativ kurzfristig Geld machen kann“, - und das auch, wenn man noch kein erfolgreicher Comiczeichner ist.

Denn nur eine Handvoll Zeichner wie Brösel („Werner“) oder Walter Moers („Das kleine Arschloch“) verdient mit ihrem Job wirklich Geld. Der Großteil der deutschen Comic-Künstler kann schon froh sein, wenn seine Werke überhaupt irgendwo gedruckt werden.

Auf der RSAK belegte Christoph Kurse wie Wissenschaftliche Illustration, Figürliches Zeichnen, aber auch Akt-Zeichnen. „Das war anfangs schon etwas komisch, dass sich Fremde vor uns ausgezogen haben und wir die dann malen sollten. Aber mit der Zeit hat sich das alles normalisiert.“ So sehr, dass der 27-Jährige selbst nach Abschluss des Studiums an der RSAK noch regelmäßig Akte zeichnet, um in Übung zu bleiben - wie ein Sportler, der einen Trainingsplan hat, muss auch er regelmäßig seine Fähigkeiten trainieren. Nach fünf Jahren erhielt der Kerpener das Diplom für Grafik & Kommunikationsdesign mit der Note „sehr gut“ und eine besondere Auszeichnung für herausragende Einzelleistung durch seine Illustrationen. Auf die Frage, wie er das geschafft hat, antwortet Christoph platt: „Machen. Einfach viel Zeit für das Zeichnen investieren und regelmäßigen Kontakt mit den Dozenten halten. Bei mir hat außerdem die Unterstützung meiner Eltern sehr geholfen.“

Kurze Zeit später entschied er, sich selbstständig zu machen. „Die Werbeagentur, bei der ich vorher ein Praktikum gemacht habe, habe ich kurzerhand zu meinem ersten Kunden gemacht- und schon war ich selbstständig.“ Das klingt in der Tat so einfach, wie es ist: Neben der Anmeldung braucht Christoph, um seinen Einmannbetrieb am Laufen zu halten, nur Computer, Internet-Flatrate, Drucker, Papier und Bleistift. Und natürlich Kontakte, denn die meisten seiner Kunden bekommt Christoph seitdem über Beziehungen. „Einmal habe ich einem Kunden auf einer Party eine Figur für seine Werbekampagne mit Kuli auf einen kleinen Zettel gemalt, wodurch wir dann ins Geschäft gekommen sind“, erzählt er.

Seine Aufträge reichen heute von Comics für Internetseiten über das Design von Broschüren bis hin zur Erstellung neuer Firmenlogos. Wer also Zeichentalent hat und darüber nachdenkt, sein Hobby zum Beruf zu machen, muss nicht die Simpsons neu erfinden oder malen können wie van Gogh. Christoph: „Die wichtigsten Sachen sind Übung und Bestätigung - der Rest kommt von alleine.“ Für die Zukunft plant auch er, ein eigenes Comic herauszubringen. „Das ist reizvoll und wäre ein Stück Selbstverwirklichung.“ Meint Christoph und fügt lachend hinzu: „Mein aktuelles Projekt kommt dem Comic-Zeichnen wieder richtig nah. Ich arbeite an dem Design für ein Trinkspiel in Kartenform - da kann ich mich mal wieder richtig schön austoben.“



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