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Erftcoast-Festival

Die Nacht der starken Frauenstimmen

Von Anja Musick, 14.03.10, 14:03h

Es ist die Nacht der starken Frauenstimmen. Aber nicht nur die Stimmen der Sängerinnen, die am ersten Abend des Erftcoast-Festivals im Medio auftreten, sind stark. Auch deren charismatische Kraft strahlt von der Bühne aus weit hinein in den großen Saal der Bergheimer Veranstaltungsstätte.

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Die Musikerinnen aus Israel sorgten zu später Stunde im Medio nochmals für Stimmung. (Bild: Musick)
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Die Musikerinnen aus Israel sorgten zu später Stunde im Medio nochmals für Stimmung. (Bild: Musick)
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Mit ihrer erdigen Stimme begeisterte Rockröhre Julia Neigel beim Erftcoast-Festival im Bergheimer Medio. (Bild: Musick)
Helen Schneider
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Hingebungsvoll und eindringlich präsentierte Helen Schneider verjazzte Klassiker. (Bild: Musick)
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Helen Schneider
Bergheim - Da ist zum einen Helen Schneider, die sich etwa als Sängerin im Musical „Cabaret“ einen Namen gemacht hat, und einst als unkonventionelle Rockröhre an der Seite von Udo Lindenberg die Säle in Deutschland eroberte.

Verjazzte Klassiker

So steht sie auf der Bühne in Bergheim und erhebt ihre mächtige Singstimme. Klein ist sie, zierlich und drahtig zugleich. Strenge Bubikopf-Frisur, kurzes, rotes Hängekleid - optisch erinnert sie an die extravaganten Salonlöwinnen der 20er Jahre. Begleitet von drei exzellenten Musikern an der E-Gitarre, am Kontrabass und am Schlagzeug intoniert die Wahl-Berlinerin aus New York verjazzte Klassiker. Das macht sie hingebungsvoll und eindringlich. Und die Zuhörer sind hingerissen von diesem inspirierendem Gesamtpaket aus puristischen Instrumentalklängen, klanggewaltiger Stimme und der deutlich sichtbaren und spürbaren Lust am Musizieren.

Helen Schneider singt Lieder, die sie in ihrem Leben begleiteten. Zu einem samtigen Blues wird da etwa „Everybody loves my Baby“, das schon ihre Mutter ihr vorgesungen habe. Der schmalzige Evergreen „Only You“ gerät zum Ohrenschmeichler im Cha-Cha-Cha-Rhythmus. Soul, Jazz und sogar Rock'n'Roll - das Repertoire ist breit gefächert, der rote Faden bleibt trotzdem immer sichtbar.

Einen ebenso starken Auftritt legen Julia Neigel und ihre Combo hin. Neigel, die als Jule Neigel 1988 mit „Schatten an der Wand“ bekannt wurde, gibt die wilde Rock-Lady und sucht mit ihrem eher handfesten Charme Kontakt zum Publikum, animiert zum Mitsingen und Klatschen und verlässt auch schon mal die Bühne, um die Menschen zu berühren. Intensive Rockballaden waren und sind auch an diesem Abend ihre Stärke, seien es die altbekannten Titel „Weil ich dich liebe“ und „Du bist nicht allein“ aus der eigenen Feder oder fremde Songs wie „Black Hole Sun“ und „Hijo de la Luna“.

Daneben treten weitere bemerkenswerte Musiker auf, die als Lokalpatrioten auf den kleineren Bühnen im Medio landen: Get the Cat, deren Mitglieder aus Köln kommen und Blues singen, sowie Fairytale aus Bedburg.

Diverse Höhepunkte gibt es auch am zweiten Tag des Festivals. Die legendäre Gruppe Osibisa ist da. „Das ist eigentlich mein persönlicher Favorit“, erklärt Medio-Chef Dr. Stefan Holzporz. Die Mitglieder von Osibisa sind Weltstars. Musiker aus Afrika und der Karibik gründeten die Combo bereits 1969, sie galten als Pioniere der Weltmusik, spielten 1983 auf der Unabhängigkeitsfeier von Simbabwe und waren auch in den USA und Europa kommerziell überaus erfolgreich.

Im Medio bezaubern sie das Publikum mit Rhythmus und Musikalität, erzählen von der karibischen Lebenslust, malen klingende Bilder heißer Landschaften und gewähren einen tiefen Einblick in die Seele des schwarzen Kontinents.

Unglaublich gut sind auch Habanot Nechama aus Israel. Medio-Mitarbeiter Schobbe Vois hat die drei Frauen bei einem Festival in den neuen Bundesländern entdeckt und für das Bergheimer Festival verpflichtet. Einflüsse von Musikstilen aus aller Welt zeichnen die ausdrucksstarke Musik der Frauen aus, die mit Gitarren ihren harmonischen Gesang begleiteten. Irische und englische Lieder singt Emily Spiers im kleinen Saal, rockig wird es mit Raphael Monsanto im Foyer.

Schaffenskraft, unendliche Kreativität und starke Persönlichkeiten laden an beiden Abenden des Festivals ein Energiefeld auf, das die Seelen zum Leuchten bringt. Und wer nicht kraftgetränkt nach Hause geht, ist wirklich selbst schuld.



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