Von Ruth Lütz-Bedorf, 04.12.09, 16:54h
„Ein richtiges Vorlese-Buch!“, sagt Uwe Stange. „Man hört hier viel genauer zu als bei einer fortlaufend erzählten Geschichte.“ Und seine Frau Marianne ergänzt: „Man hat das Gefühl, jeden Abend aus einem anderen Buch vorgelesen zu bekommen. Das liegt auch an den verschiedenen Personen, die lesen.“
Immer mehr Qualitäten entdecken die Zuhörer an dem Buch, tauschen sich aus über Inhalte, Sprache und Form des „Journalromans“. Tatsächlich spricht das Buch sehr vieles an: Kleinste Momenteindrücke lenken den Blick auf große historische oder geografische Zusammenhänge. Biografisches weitet sich zur Gesellschaftsbeschreibung.
In Jacques' Weindepot in Lechenich - auch einer der Orte, wo Veranstaltungen zur Literatur-Aktion von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Literaturhaus Köln zur Tradition geworden sind - hatte zuvor die Bildhauerin Clelia Meyer den Mittelteil des Buches vorgelesen, jene Erzählung vom Besuch des rätselhaften Jörn in Griechenland, wo er den noch rätselhafteren Achim trifft, der seinen Namen umgedreht hat und jetzt Micha heißt.
Hatte schon das Ambiente im Weindepot - Landkarten von südlichen Ländern, Weinflaschen, der Bistrotisch der Vorleserin - den Blick hin zum Mittelmeer gelenkt, so entführte Clelia Meyer dann ihre Zuhörer in ein - fast - reales Griechenland. Strukturiert, ausdrucksstark und differenziert spürte die ausgebildete Schauspielerin der Charakteristik des Textes nach. Dialoge würzte sie mit dynamischen oder ironischen Akzenten. Wo der Autor sie in wunderschönen Schilderungen darstellt, gab Meyer der griechischen Landschaft Farbigkeit und plastische Dimension. So intensiv, dass, als sie geendet hatte, jemand sagte: „Jetzt müssen wir erst einmal zurückkommen.“
Das kann Vorlesen leisten.
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