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Buch für die Stadt

Eine fast reale Reise nach Griechenland

Von Ruth Lütz-Bedorf, 04.12.09, 16:54h

Auch wenn sich die Geister am „Buch für die Stadt“ scheiden - Die Zuhörer beim Vortrag in Jacques Weindepot in Lechenich fühlten sich in südliche Gefilde versetzt. In der gelesenen Passage geht es um einen Besuch in Griechenland.

Clelia Meyer
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Clelia Meyer las in Jacques' Weindepot die Griechenland-Passage aus Jürgen Beckers „Schnee in den Ardennen“. (Bild: Lütz-Bedorf)
Clelia Meyer
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Clelia Meyer las in Jacques' Weindepot die Griechenland-Passage aus Jürgen Beckers „Schnee in den Ardennen“. (Bild: Lütz-Bedorf)
Erftstadt-Lechenich - Am „Schnee in den Ardennen“ scheiden sich die Geister. Das zeigt sich schon rein äußerlich darin, dass die Besucherrunde bei den Erftstädter Lesungen am Donnerstagabend wie auch schon am Tag zuvor gegenüber dem ersten Leseabend erheblich kleiner geworden war. Doch die Zuhörer, die dabeigeblieben sind, sind begeistert vom „Buch für die Stadt“ und davon, dass es kontinuierlich und von verschiedenen Personen vorgetragen wird.

„Ein richtiges Vorlese-Buch!“, sagt Uwe Stange. „Man hört hier viel genauer zu als bei einer fortlaufend erzählten Geschichte.“ Und seine Frau Marianne ergänzt: „Man hat das Gefühl, jeden Abend aus einem anderen Buch vorgelesen zu bekommen. Das liegt auch an den verschiedenen Personen, die lesen.“

Immer mehr Qualitäten entdecken die Zuhörer an dem Buch, tauschen sich aus über Inhalte, Sprache und Form des „Journalromans“. Tatsächlich spricht das Buch sehr vieles an: Kleinste Momenteindrücke lenken den Blick auf große historische oder geografische Zusammenhänge. Biografisches weitet sich zur Gesellschaftsbeschreibung.

In Jacques' Weindepot in Lechenich - auch einer der Orte, wo Veranstaltungen zur Literatur-Aktion von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Literaturhaus Köln zur Tradition geworden sind - hatte zuvor die Bildhauerin Clelia Meyer den Mittelteil des Buches vorgelesen, jene Erzählung vom Besuch des rätselhaften Jörn in Griechenland, wo er den noch rätselhafteren Achim trifft, der seinen Namen umgedreht hat und jetzt Micha heißt.

Hatte schon das Ambiente im Weindepot - Landkarten von südlichen Ländern, Weinflaschen, der Bistrotisch der Vorleserin - den Blick hin zum Mittelmeer gelenkt, so entführte Clelia Meyer dann ihre Zuhörer in ein - fast - reales Griechenland. Strukturiert, ausdrucksstark und differenziert spürte die ausgebildete Schauspielerin der Charakteristik des Textes nach. Dialoge würzte sie mit dynamischen oder ironischen Akzenten. Wo der Autor sie in wunderschönen Schilderungen darstellt, gab Meyer der griechischen Landschaft Farbigkeit und plastische Dimension. So intensiv, dass, als sie geendet hatte, jemand sagte: „Jetzt müssen wir erst einmal zurückkommen.“

Das kann Vorlesen leisten.



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