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Buch für die Stadt

„Man findet immer wieder Edelsteine“

Von Susanne Neumann, 02.12.09, 17:58h, aktualisiert 02.12.09, 18:08h

Irgendwann hatte Evamaria Gössl ihr Exemplar von „Schnee in den Ardennen“ aus der Tasche gezogen, um den Text bei der Lesung in Lechenich im Stillen mitzuverfolgen.

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Im ruhigen und wohl akzentuierten Vortrag von Clelia Meyer eröffnete sich die Erfahrung, dass sich „Schnee in den Ardennen“ zum Vorlesen mehr eignet als zum Selberlesen. BILD: NEUMANN
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Im ruhigen und wohl akzentuierten Vortrag von Clelia Meyer eröffnete sich die Erfahrung, dass sich „Schnee in den Ardennen“ zum Vorlesen mehr eignet als zum Selberlesen. BILD: NEUMANN
Erftstadt - „Die vielen Bücher in den Regalen hier haben mich zu sehr abgelenkt“, begründete die Zuhörerin aus Nörvenich, warum sie ihre Augen auf die Seiten in ihren Händen richtete, während Clelia Meyer in der Bücherstube am Markt in Erftstadt-Lechenich aus dem „Buch für die Stadt“ vorlas.

Fast 40 Zuhörer hatten sich am Dienstagabend zur zweiten Veranstaltung in Erftstadt im Rahmen der Literaturaktion vom Literaturhaus Köln und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ in den Gängen der Buchhandlung zwischen hohen Bücherregalen eingefunden. Dort las ihnen die Erftstädterin Clelia Meyer, Mitglied des Künstlerforums Schau-Fenster, rund 30 Seiten aus der Mitte des ersten Teils von Jürgen Beckers Journalroman vor.

Mit Bedacht und wohl akzentuiert vortragend, vermochte sie dem Werk genau die Ruhe zu verleihen, die es braucht. Ein paar Abschnitte hatte sie für ihren Vortrag herausgekürzt. Auf das Lesen anderer, wie jenen über Sperrmüll oder fallende Birnen, habe sie sich richtig gefreut, erzählte Meyer. „Man findet in dem Buch immer wieder Edelsteine.“

Zugang zu dem Journalroman findet allerdings nur, wer sich konzentriert einlässt auf die ungewöhnliche Art des Kölner Autors, Episoden, Erinnerungen und Beobachtungen ohne erkennbar zwingende Reihenfolge aneinanderzuhängen. Die durchgängige, einen Spannungsbogen bildende Handlung eines Romans fehlt. Und beim Lesen ist durchaus auch mal Durchhaltevermögen gefordert.

„Der Becker erzählt so vor sich hin“, äußerte sich Cornelius Bormann aus Lechenich, dessen Sache der Journalroman offenbar nicht ist. Immerhin waren er und seine Frau am Tag zuvor schon bei der Lesung im Lechenicher Stadthaus gewesen. „Zwei Abende reichen aber auch“, beschloss Heidi Bormann am Dienstagabend für sich.

Anderen Zuhörern eröffnete sich im ruhigen, bedächtigen Vortrag von Clelia Meyer die Erkenntnis, dass sich das Buch viel mehr zum Vorlesen als zum Selberlesen eignet. „Man muss Zeit auf dieses Buch verwenden“, stellte Zuhörer Horst Gössl fest. Beim Lesen des Buches im eigenen Tempo habe er vieles überlesen. Da in Beckers Buch eine zusammenhängende Handlung fehle, sei es ihm schwergefallen, überhaupt etwas aus dem Buch zu behalten. Das gehe beim Zuhören besser.Und seine Frau, der beim ersten Lesen der Zugang zu Beckers Buch gefehlt habe, wie sie einräumte, ergänzte: „Ich habe viel entdeckt und würde es jetzt nach dem Vorlesen gerne noch mal selber lesen.“

Die nächste Lesung findet heute, Donnerstag, 3. Dezember, 19.30 Uhr, wieder in Lechenich statt. In Jacques' Weindepot liest Clelia Meyer den zweiten Teil von „Schnee in den Ardennen“.



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