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Ein Buch für die Stadt

Kleine Bilder und Momentaufnahmen

Von Ruth Lütz-Bedorf, 01.12.09, 15:14h, aktualisiert 01.12.09, 16:11h

Die Aktion von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Literaturhaus Köln findet zum siebten Mal statt. Zahlreiche Veranstaltungen in der Region befassen sich in den nächsten zwei Wochen mit „Schnee in den Ardennen“.

Karin Michaelis
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Sie führte die Leser tief in ihre eigenen Erinnerungen hinein: Karin Michaelis im Lechenicher Stadthaus. (Bild: Lütz-Bedorf)
Karin Michaelis
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Sie führte die Leser tief in ihre eigenen Erinnerungen hinein: Karin Michaelis im Lechenicher Stadthaus. (Bild: Lütz-Bedorf)
Erftstadt-Lechenich - Ebenso wie vor einigen Jahren das „Kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun stammt auch dieses Mal das „Buch für die Stadt“ aus der Feder eines in Köln geborenen Autors.

Am Montagabend hatte sich im Lechenicher Stadthaus eine stattliche Zuhörerschaft versammelt, als der Maler Klaus Schramm im Namen des Künstlerforums Schau-Fenster das Erftstädter Leseprojekt eröffnete und mit der Malerin und Literatin Karin Michaelis die erste Vorleserin auftrat.

Schramm hat zusammen mit seiner Ehefrau Clelia Meyer, die in den nächsten Tagen auch zweimal lesen wird, von Anfang an engagiert an der Literatur-Aktion teilgenommen. Nicht ohne Stolz verwies er darauf, dass in Erftstadt wie in den Vorjahren so auch diesmal das gesamte Buch vorgelesen werde - an keinem anderen Ort gebe es Vergleichbares. „Schnee in den Ardennen“ ist keine ganz einfache Lektüre, jedenfalls dann nicht, wenn man eine fortlaufende Erzählung oder einen geschlossenen Handlungsbogen erwartet. Das Buch wartet vielmehr mit einer Aneinanderreihung kleiner, voneinander abgetrennter Texte auf, die ihre Aussageabsicht oder eventuelle Zusammenhänge nicht dem ersten Blick offenbaren. Aber immer wieder rufen sie Erinnerungen wach und verweisen auf überraschende Zusammenhänge.

Mit erstaunlicher Treffsicherheit gelang es der Vorleserin, all die kleinen Bilder und Momentaufnahmen lebensnah und nachvollziehbar zu übermitteln. Die Zuhörer ließen sich von Karin Michaelis an die Hand nehmen und folgten bereitwillig den Schilderungen, Berichtsansätzen und Assoziationen des Autors, ja, mehr noch, sie wurden tief in ihre eigenen Erfahrungswelten hineingeführt. „Ich fühlte mich in meine Jugend in unserer ehemaligen Wohnung zurückversetzt“, sagte Ewald Anderle, „ich hatte alles plastisch vor Augen wie noch nie zuvor. Es war genau so, wie ich es damals gesehen habe.“ Das Buch berühre, es wecke Erinnerungen - immer wieder ließen sich Besucher in der Pause bei einem Glas Rotwein so vernehmen.

Einen ganz eigenen, aber doch sehr stimmigen Dialog ging der vorgetragene Becker-Text mit den Bildern und Objekten von Monika Tönnis-Littek ein, deren Ausstellung im Stadthaus eigens für die Lesung um einen Tag verlängert worden war.



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