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Gesellschaft

Vision vom Weltbürger

Von Uli Kreikebaum, 06.11.09, 18:09h

Andreas Bummel, führender Aktivist für globale Demokratie, sprach in Königsdorf über eine Politik der Zukunft. Er selbst werde solch ein Parlament wohl nicht mehr erleben, sagt der 33-jährige Jurist.

Andreas Bummel
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Frechen - Die Welt wächst wirtschaftlich zusammen, also muss sie auch politisch zusammenwachsen, damit die Globalisierung nicht dramatisch ausufert: Die Idee eines Weltparlaments, die Andreas Bummel am Donnerstagabend im Rahmen von Jürgen Streichs Literaturforum im evangelischen Gemeindehaus in Königsdorf vorstellt, klingt einleuchtend, doch Bummel, Vorsitzender des Komitees für eine demokratische UNO, weiß, dass sie utopisch ist.

Er selbst werde solch ein Parlament, das den Weltbürger zum Souverän machen und die Entscheidungen der UN kontrollieren würde, wohl nicht mehr erleben, sagt der 33-jährige Jurist. Es sei denn, es komme zu einer globalen Katastrophe, sei es durch den Klimawandel oder einen Atomkrieg. „Tiefgreifende Veränderungen wie die Gründung des Völkerbunds oder der UN sind immer als Katharsis nach Katastrophen entstanden“, sagt Bummel. Er bleibe trotzdem Optimist: Der Mauerfall habe gezeigt, dass es auch anders gehe, sagt er, und spricht von einer „schleichenden Revolution“: „Wenn es soweit ist, wollen wir ein fertiges Konzept in der Tasche haben.“

Bummels Kritikpunkte sind schnell aufgezählt: Bei den entscheidenden internationalen Institutionen bestimmten lediglich Regierungsvertreter. Ratifizierungsprozesse wie jene zum Kohlendioxid-Ausstoß seien „zu ineffizient“. Ein Weltparlament würde Oppositionen integrieren und so zu mehr Demokratie bei globalen Entscheidungen beitragen.

Einige Besucher konfrontieren Bummel durch ihre Fragen mit möglichen Schwächen seiner Idee, die bereits 1837 zum ersten Mal aufkam: Wie könne verhindert werden, dass solch ein Parlament kein bürokratisches Ungeheuer würde wie die EU-Institutionen? Könnten anti-demokratische Kräfte großen Einfluss gewinnen? Welche Befugnisse hätte eine Weltversammlung? Und: Ist es in 90 Jahren nicht schon viel zu spät, das Klima zu retten?

Es gehe zunächst um das Bewusstsein, dass eine globalisierte Welt eine einheitliche Stimme brauche und stur nationalstaatliches Denken den Planeten akut gefährde, so Bummel. Auch bis zur Gründung der UNO habe es Jahrzehnte gedauert: „Es geht um kleine Schritte.“ Für die „schleichende Revolution“ haben Andreas Bummel und seine Mitstreiter schon einige Unterstützer gewonnen.

Grass als Fürsprecher

700 Parlamentarier und 200 Nicht-Regierungsorganisationen sympathisieren ebenso mit der Idee wie Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, Ex-Un-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali und Oscar-Gewinnerin Emma Thompson. Ehrenvorsitzender des Komitees war der verstorbene Sir Peter Ustinov. Aber: „Insgesamt fehlt noch der politische Wille, vor allem die Außenministerien wehren sich“, sagt FDP-Mitglied Bummel. Auch in seiner Partei hätten wohl die meisten „noch nicht verstanden, wie wichtig ein Weltparlament wäre“. Zu den Unterstützern der Kampagne zählen laut Bummel die Regierungen Argentiniens und der Schweiz.

Moderator Jürgen Streich, Mitgründer des Komitees für eine demokratische UNO, bezeichnete Bummel als „wichtigen Visionär für eine demokratischere Welt“. Beim nächsten Literaturforum am 28. Januar ist Jan Brügelmann, Chefkorrespondent des „Kölner Stadt-Anzeiger“, zu Gast in Königsdorf. Das Thema: „Yes, he can. Ein Jahr US-Präsident Barack Obama.“



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