Stimmgewaltig: Die 20-jährige Sängerin Julia Quicker
Stimmgewaltig: Die 20-jährige Sängerin Julia Quicker
Erftstadt-Lechenich -
Ein Jahr harter Arbeit haben die Mitglieder der Erftstädter Bigband „Jazz for fun“ hinter sich. Sie hat sich gelohnt. Gilt es schließlich, den Gästen etwas ganz Besonderes zu präsentieren. Denn nicht wie üblich ein „Best of“ des bestehenden Repertoires hat Bandleiter Dietmar Kruse und sein Team zusammengestellt. Zum zehnjährigen Bestehen der Bigband, das am Freitagabend im großen Saal des Pfarrzentrums St. Kilian ausgelassen gefeiert wird, haben es sich die ambitionierten Laienmusiker zur beherzten Aufgabe gemacht, ein nahezu komplett neues Programm einzustudieren. „Diejenigen, die uns seit langem wohl gesonnen sind, sollen schließlich nicht immer dasselbe hören“, erklärt Kruse den Besuchern, die zu Hunderten zum Konzert gekommen waren. Da stimmt von Anfang an jeder Ton, sitzt jeder Rhythmus. Sei es bei dem Miles Davis-Song „So what“, der nun statt eines Trompeten- ein eher ungewöhnliches E-Bass-Solo erhält. Sei es bei einer Rockeinlage von Chicago, in der mal die E-Gitarre, dann Schlagzeug und Trompete zum souveränen Soloinstrument avancieren. In anderen, Blues- und traditionellen Jazz-Stücken wiederum zeigen die Musiker am Saxophon, an der Posaune oder am Piano, was sie solistisch zu bieten haben. Doch auch auf Gesang muss das Publikum nicht verzichten. Mit der 20-jährigen Julia Quicker hat „Jazz for fun“ einen wahrlich guten Griff getan. Sicher trifft sie jeden Ton, ungeheuer klar findet jede Melodie einen geschmackvollen Bogen. Einziger Wermutstropfen: Ihr Mikrofon ist zu leise eingestellt, so dass sie vom Bläsersound zuweilen übertönt wird. Dennoch: Ihr Auftritt ist einer der Höhepunkte des Abends.
Denn für eine halbe Stunde räumt die Bigband die Bühne und macht Platz für drei Musiker, die es nur allzu gut verstehen, das Publikum mit eher leisen Tönen zu begeistern. Jens Hoffmann an der Akustik-Gitarre, Wilhelm Geschwind am Bass, Pia Fridhill am Mikrofon - gemeinsam sind sie das Pia-Fridhill-Trio, das mit kammermusikalischer Intensität vom ersten Takt an in eine Musik hineinzieht, die ungeheuer leicht daherkommt und dennoch stets einem Hauch Melancholie in sich birgt.
Rhythmische Raffinesse und melodischer Ideenreichtum machen die Songs mit Anklängen aus Jazz, Soul und Bossa Nova zu einem Erlebnis. Der schwedischen Frontfrau wiederum gelingt es, die Zuhörer mit Stimme, Ausdrucksstärke, Natürlichkeit und Charme bei zumeist sehr persönlichen Texten gefangen zu nehmen. Mit einem weiteren Gast geht der Abend in seine letzte Runde. Neben etlichen „Ehemaligen“, die die Bigband beim Jubiläumskonzert unterstützten, führt schließlich der Trompeter Herwig Barthes die Musiker an. Virtuose und klangschöne Soloeinlagen, zunächst ruhigere, dann immer fetziger werdende Stücke bringen das Konzert zu einem schwungvollen Ende.
Das Pfarrzentrum St. Kilian wiederum kann sich glücklich über ein spendenfreundliches Publikum schätzen. Denn statt eines Eintrittsgeldes wurde Kollekte gesammelt, die dem Förderkreis von St. Kilian und damit dem Erhalt des Pfarrzentrums zu Gute kommen soll.