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Interview

„Keine Nachbarschule muss sich Sorgen machen“

Von Bastian Ebel, 31.03.09, 17:22h, aktualisiert 06.04.09, 10:58h

38 Förderschulen betreibt der Landschaftsverband Rheinland (LVR). Jetzt wird eine nach Bornheim verlagert. Michael Mertens ist Dezernatsleiter für Schule und Jugend im LVR. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Aufsicht über Förderschulen im Rheinland.

Michael Mertens
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Bornheim -

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Viele Kommunen haben sich als Standort für die Förderschule beworben. Warum hat Bornheim den Zuschlag erhalten?

MICHAEL MERTENS: Unsere LVR-Förderschule „Sprache“ in Köln-Flittard platzt aus allen Nähten. Dort sind wir aber nur Mieter und konnten nicht so anbauen, wie wir es wollten. Deshalb haben wir einen neuen Standort gesucht - entweder in Köln oder im Rhein-Sieg-Kreis. Denn ein Großteil der Schüler kommt aus dem südlichen Rheinland. Wir haben Antworten von einigen Gemeinden bekommen, aber der konkreteste Vorschlag kam aus Bornheim. Die Stadtverwaltung hat unkompliziert und in wirklich guter Kooperation ein Grundstück für uns gefunden.

Sehen Sie die Möglichkeit, dass neue Arbeitsplätze entstehen ?

MERTENS: Das hängt davon ab, wie sich der Kölner Standort weiterentwickeln wird. Das ist noch nicht geklärt.

Von welchem Einzugsbereich reden wir?

MERTENS: Die rund 180 Schülerinnen und Schüler werden wahrscheinlich aus dem Rhein-Sieg-Kreis, aus Teilen des Rhein-Erft-Kreises (Brühl, Erftstadt, Hürth, Wesseling), aus dem Kreis Euskirchen (Weilerswist, Euskirchen, Zülpich, Bad Münstereifel, Mechernich), aus dem Stadtgebiet Bonn und Teilen des Oberbergischen Kreises (Waldbröl, Morsbach, Nümbrecht) anreisen. In Bornheim werden diese Kinder und Jugendlichen in der Sekundarstufe 1 unterrichtet werden - das heißt Klasse 5 bis 10. Die Schüler haben besonderen Förderbedarf im Bereich Sprache und müssen besonders unterstützt werden.

Anscheinend ist in den letzten Jahren die Zahl der Kinder gestiegen, die auf eine Schule mit dem Schwerpunkt Sprache angewiesen sind. Wo liegen die Ursachen?

MERTENS: Zum einen ist die Wissenschaft heute weiter, und die Diagnosen werden genauer. Früher sind Sprach- und Sprechdefizite teilweise nicht erkannt worden, und damit unterblieben dann auch Behandlung und Therapie. Grundsätzlich steigen dadurch die Schülerzahlen in den Förderschulen im Grundschulbereich. Insbesondere entscheidet aber die Schulaufsichtsbehörde über sonderpädagogischen Förderbedarf, Förderschwerpunkt und den Förderort. Der LVR als Schulträger muss dann für ein auskömmliches Schulgebäude sorgen.

Was wird in der Schule unterrichtet? Wo liegen die Schwerpunkte?

MERTENS: Entsprechend dem jeweiligen Schulprogramm bemüht sich das Kollegium in erster Linie um Sprachförderung und -therapie, die in unterschiedlichen Organisationsformen stattfindet. In der Förderarbeit werden alle relevanten Entwicklungsbereiche berücksichtigt: Sensorik, Motorik, Kognition, Emotion, Kommunikation. Das familiäre und gesellschaftliche Umfeld der Schüler fließt dabei mit ein. Die Kinder legen in der Regel einen Hauptschulabschluss ab, wobei sehr gute Zahlen vorgewiesen werden können: 80 bis 90 Prozent bekommen nach der Schulzeit, dank guter Kooperation mit Industrie und Handwerk, eine Lehrstelle.

Im Raum steht ein zweistelliger Millionenbetrag, den der LVR investiert. Können Sie eine konkrete Zahl nennen?

MERTENS: Wir haben in unsere Förderschule in Stolberg 21 Millionen Euro investiert. Diese Schule ist dreizügig. Bornheim ist etwas kleiner und als zweizügige Schule geplant. Genauere Investitionszahlen kann ich derzeit noch nicht nennen.

Teilen Sie die Bedenken einzelner Bornheimer Politiker, dass die Uedorfer Verbundschule unter der Errichtung der neuen Schule leidet und die Schülerzahl sinken könnte?

MERTENS: Ich meine, solche Bedenken sind unbegründet. Denn wir bringen ja die Schülerinnen und Schüler für unsere Schule selber mit und verlagern nur den Standort. Es ist nicht so, dass wir zusätzliche Schüler suchen - die Sprachförderschule versteht sich als Durchgangsschule, so dass wir uns im Gegenteil über Entlastung freuen und über jeden Schüler, der den Weg zurück zur allgemeinen Schule findet. Wir hätten auch gar nicht die Kapazität, Schüler von anderen Schulen zu übernehmen. Keine Schule in der Nachbarschaft muss sich daher Sorgen machen.

Sie streben aber Kooperationen mit anderen Bornheimer Schulen an&

MERTENS: Ja, Kooperation und Öffnung in die umgebende Schullandschaft ist uns sehr wichtig. Insbesondere mit der Europaschule erhoffen wir uns neue Formen der Integration und der gemeinsamen Förderung. Ein Modell mit gemeinsamem Unterricht ist angedacht, und vielleicht können die Schulleitungen mit dem LVR gemeinsam neue Formen des Miteinanders auch für andere Schulen entwickeln.



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