Schriftgröße

„Jugend debattiert“

Schlagfertigkeit gewinnt

Von Jan Sting, 06.02.09, 18:13h

Bundesweit beteiligen sich fast 80000 Schüler an dem Rhetorikwettbewerb und entfalten ihre Lust am Reden und Argumentieren. Die Gesamtschule Bergheim hat schon einmal den neunten Platz eingeheimst.

Bergheim-Quadrath-Ichendorf - „Was wollt ihr mit einem Werbeverbot eigentlich erreichen?“, fragte Oliver Franzen und verblüffte seine Kontrahenten mit der direkten Frage. Engagiert hatten sie gerade einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Werbung und dem gesellschaftlichen Problem des Alkoholkonsums hergestellt. Aber ist die Werbung wirklich an allem Schuld? Dass Alkohol nicht gut für die Gesundheit ist, bestritt Franzen gar nicht. In der Abschaffung der Werbung sah der Schüler der Gesamtschule Bergheim aber nicht die richtige Lösung.

Auch seine Mistreiterin Ilham El Ouariachi von der Bergheimer Geschwister-Scholl-Realschule war der Ansicht, dass Alkoholwerbung nur einen geringen Einfluss auf das Suchtverhalten junger Menschen habe. Stärker wirke der Gruppenzwang. Therapie und Prävention seien bestimmt der bessere Weg, als Verbote. Die, war sich Oliver Franzen sicher, machten den Alkohol womöglich erst recht reizvoll. In der Debatte mit ihren Kontrahenten Kerstin Klein vom Kerpener Europa-Gymnasium und Aadarsch Khanna von der Geschwister-Scholl-Realschule gelang es den Befürwortern der Werbung damit, geschickt auf tiefer liegende gesellschaftliche Probleme überzuleiten.

Sechste Auflage

Aber auch die Befürworter des Verbots hatten überzeugende Argumente. Werbung vermittle völlig falsche Bilder, erklärte Kerstin Klein. Und für Aadarsch Khanna steht fest, „dass die Werbung in Versuchung bringt.“ Zum mittlerweile sechsten Mal richtete die Gesamtschule die Vorrunde des Bundeswettbewerbs „Jugend debattiert“ für Bergheim und Kerpen aus. Die Juroren - unter ihnen war auch Charlotte Wester von der Gesamtschule, die 2008 den 9. Platz im Bundeswettbewerb in Berlin belegte - bewerteten Aspekte wie Gesprächsfähigkeit, Zuhören, Überzeugungskraft, Ausdrucksvermögen und Sachkenntnis. Laut Gesamtschullehrerin Tanja Heppekausen, die den Wettbewerb im Schulverbund von Bergheim und Kerpen organisiert, gehört die Kunst des Debattierens mittlerweile zum Unterricht.

Fairness im Dialog, aber auch kurzweilige Gesprächsführung und Schlagfertigkeit werden trainiert. „Ich bin immer wieder überrascht, was die Schüler können“, sagt Heppekausen. Der bundesweite Wettbewerb wurde im Jahr 2000 von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Frankfurt im Rahmen einer zweijährigen Pilotphase getestet. 2000 Schüler, 200 Lehrer und 50 Schulen nahmen damals teil. Die große Nachfrage ermutigte die Stiftung, die Aktion fortzusetzen. Mittlerweile gehört der Rhetorikwettbewerb Jugend debattiert mit bundesweit fast 80 000 Teilnehmern zum festen Programm der Nachwuchswettbewerbe und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige



Alte Liebe rostet nicht


Bildergalerien


Extra


Hintergrund


KSTA.de

Ausbildung in Serie


Top-Links (Anzeige)


WAS.WANN.WO.


Neue ksta.tv-Videos aus der Region


Mein ksta.de



Serie


Extra


Glosse


Junge Zeiten



Lokalsport


Stadtmenschen Community


HINTERGRUND


Dienste