Von Wilfried Meisen, 19.11.08, 18:57h
Hinter dem Waldverkauf steckten finanzielle Gründe, erläutert Wolfgang Zimmer vom Liegenschaftsamt. Neben dem Staatswald, der dem Land gehört, und den über das ganze Stadtgebiet verstreut liegenden privaten Waldgebieten gebe es noch zahlreiche Waldflächen, die der Stadt selber gehörten - etwa die südliche Hälfte des Parrigwaldes bei Horrem. Leider deckten die Einnahmen aus dem Holzeinschlag dort aber nicht die Ausgaben, die beispielsweise für die Unterhaltung der Wege oder für das Fällen maroder Bäume anfielen. Jedes Jahr mache die Stadt so bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder ein Minus von rund 30 000 Euro. Deshalb habe man sich zum Verkauf entschlossen - bis der über die Bühne sei, werde aber wohl einige Zeit vergehen. „Bislang gibt es noch keine Interessanten“, sagt Zimmer.
Rund 1,4 Millionen Euro könnten die Waldflächen einbringen, legt man die gängigen Marktpreise zugrunde, weiß Schölmerich. Er sieht einen Verkauf von öffentlichen Waldflächen an private Eigentümer generell kritisch: Laut Landesgesetzgebung solle der öffentliche Wald neben dem Naturschutz auch der Erholung dienen, was allerdings einen Holzeinschlag dort nicht ausschließe. Bei privaten Waldflächen sei diese Erholungsfunktion nicht so gesichert. „Zwar muss auch der private Wald öffentlich zugänglich sein“, so Schölmerich, allerdings könne der Eigentümer nicht verpflichtet werden, dort auch Wege anzulegen oder Bänke aufzustellen. „Wenn man nun öffentlichen Wald zu privatem macht, könnte diese Erholungsfunktion verloren gehen.“ Nach Schölmerichs Meinung gehört ein städtischer Wald zur Infrastruktur einer Kommune wie eine „schöne Fußgängerzone oder ein Park“. Das dürfe dann ruhig auch etwas Geld kosten. Schließlich profitierten davon die Bevölkerung und die Natur.
So sieht es auch Jutta Schnütgen-Weber, Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Wir haben Angst, dass die Kerpener Wälder demnächst nur noch für Geldzwecke ausgenutzt werden.“
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