Von Ulla Jürgensonn, 14.10.08, 17:26h
Etwas anderes bleibt fast 2000 Schülern im Schulzentrum Brauweiler an diesem Morgen auch nicht übrig. Denn die Lesung wird in alle Räume von Gymnasium und Realschule übertragen, da gibt es kein Entkommen. „Ein Buch für die Stadt“, die gemeinsame Aktion von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Literaturhaus Köln, hat den Stundenplan außer Kraft gesetzt. Mehr als eine Stunde braucht Dirk Heinrichs, um Kirsten Boies Buch „Nicht Chicago. Nicht hier“ vorzulesen - mit leichten Kürzungen. Der Schauspieler, bekannt aus RTL-Serien wie „Der Clown“ und „Die Sitte“, sitzt in der Hausmeisterloge am Mikrofon.
Als er fertig ist, erklärt Schülerin Sarah Ritter, ebenfalls über die Lautsprecheranlage, wie es weitergeht: Die Klassen können sich überlegen, ob und in welcher Form sie sich mit dem Buch auseinandersetzen wollen. Am Dienstag, 4. November, werden die Ergebnisse dann präsentiert.
Das Buch ist bedrückend, stellenweise beängstigend. Das merkt man auch an den Reaktionen der Schüler, auch wenn manch einer sich betont gelangweilt gibt. Es geht um Mobbing bis zur rohen Gewalt, vor allem aber um die Angst und hilflose Wut des Opfers, dem nicht einmal die eigenen Eltern glauben.
Im Foyer des Gymnasiums ist eine Wand aufgebaut, an der Schüler Kommentare zum eben Gehörten hinterlassen können. Doch erst einmal toben die Kleineren munter unter der Stellwand hindurch, einer kräht vergnügt hinter seinem Freund her: „Ich mach dich tot.“ Zögernd greifen die ersten zum Stift. „Wo ist das Ende?“, schreibt einer. Tja, ein richtiges Ende hat die Geschichte wirklich nicht - vor allem kein Happy End.
„Was ist ein Quix?“ Das war ein kleines Gerät, mit dem man Textmitteilungen und Telefonnummern versenden konnte - das Buch ist sieben Jahre alt, diese Technik längst überholt. In der Geschichte um Niklas und Karl ist es eines der Dinge, die dem Opfer gestohlen werden.
Die Sprüche an der Wand sind bunt gemischt, albern manche, ernsthaft die meisten, manche ablehnend, andere zustimmend. „Das war voll unnötig“, steht da. Aber auch: „Mobbing ist voll gemein.“
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