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Internationales Mofarennen

Frisieren ausdrücklich erlaubt

Von Joachim Röhrig, 08.09.08, 17:46h

21 Teams sorgten auf einem Acker beim internationalen Mofarennen auf Gut Giffelsberg mit ihren knatternden Kleinkrafträdern für urige Rennatmosphäre.

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Tuning-Spezialisten unter sich: Mit klassischen Mofas haben die Motocross-Maschinen, die über Hügel donnern, äußerlich nicht mehr viel zu tun.
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Tuning-Spezialisten unter sich: Mit klassischen Mofas haben die Motocross-Maschinen, die über Hügel donnern, äußerlich nicht mehr viel zu tun.
Im Rennen chancenlos, aber in der...
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Im Rennen chancenlos, aber in der Frontansicht flößte der Oldtimer der „Black Widows“ durchaus Respekt ein. BILDER: RÖHRIG
Im Rennen chancenlos, aber in der...
Kerpen-Blatzheim - Einmal im Jahr nur holen Pierre Lehmann und seine Freunde ihre 20 Jahre alte „Herkules Prima 5S“ aus dem Keller, füllen den Tank, pumpen die Reifen auf, ziehen die wichtigsten Schrauben nach und drehen ein paar Proberunden. Dann wird das metallic-grüne Zweirad, das genau so aussieht, wie man sich ein klassisches Mofa vorstellt, in den Transporter gepackt, und es geht für ein langes Wochenende nach Kerpen. „Das Rennen dort ist immer wieder eine Riesen-Gaudi. Dass wir den Top-Teams mit unserer alten Kiste, die es nicht mal auf 30 Sachen bringt, nur hinterher fahren können, stört uns nicht. Dabeisein ist alles.“

Ebenso locker wie die Lübecker „Bremsklötze“ gehen auch die „Black Widows“ aus Kerpen an die Sache heran. In ihren Jeans-Westen und Lederhosen wirken die harten Jungs zwar wie Alt-Rocker aus dem Harley-Davidson-Klub, aber auch sie haben lediglich zwei vergleichsweise mickrige Herkules-Mofas in der Box stehen. Eines stammt aus den Achtzigern, das andere gar aus den 60er Jahren. Am Lenkgestänge des Oldtimers ist ein Totenkopf befestigt. „Wir sind hier nur für das optische Tuning zuständig“, schmunzelt Guido Uebler und deutet auf die gegenüberliegende Box, „die Technik-Freaks sitzen da drüben.“

Da drüben hat Gerald Saß aus Erftstadt, der mit Rolf Rommerskirchen und Jörn Bechler die „Indutec“-Mannschaft bildet, gerade seinen Einsatz beendet und die Rennmaschine an den nächsten Piloten des Teams abgegeben. Schon im Originalzustand war die Zündapp CS 25 eher Moped als Mofa. Doch vom Original ist kaum noch etwas zu erkennen: Als passionierte Schrauber mit Motocross-Rennerfahrung haben die „Indutecs“ Federung, Gabel, Reifen, Lenker und einiges mehr ausgetauscht; Motor und Getriebe wurden mit allerlei geheimen Tricks und Kniffen optimiert. Die aufgemotzte Zündapp sieht nun aus wie ein richtiges Motocross-Motorrad und bringt es selbst auf der holprigen Acker-Piste locker auf 60 Stundenkilometer. Trotzdem erfüllt die Maschine die Grundbedingungen eines Rennmofas: Sie hat nicht mehr als 50 Kubikzentimeter Hubraum, Handschaltung, Luftkühlung, Pedalantritt und hält die Vergaser-Maße ein. Im normalen Straßenverkehr sollte man sich damit nicht erwischen lassen, doch fürs Rennen ist das „Frisieren“ erlaubt. „Beim Tuning zwar innerhalb des Reglements zu bleiben, die Grenzen aber bis zum Letzten auszuloten, um alles aus der Maschine rauszuholen - das ist für uns der große Reiz beim Mofarennen“, erklärt Gerald Saß.

Hier die Spaß-Piloten, da die ambitionierten Mofa-Frisier-Experten: Es war schon ein ziemlich bunt gemischtes Rennsport-Völkchen, das sich am Samstag beim internationalen Kerpener Mofarennen auf dem Giffelsberger Stoppelfeld von Bauer Henschel tummelte. „Aber genau so soll es sein. Bei uns haben die Hobbyfahrer genau so ihren Platz wie die ausgebufften Spezialisten. Einen Pokal kriegen sie am Ende alle“, erklärt Frank Schneppenheim, der das Motorsport-Spektakel mit einem sechsköpfigen Freundeskreis am Samstag bereits zum fünften Mal organisierte.

21 Teams mit jeweils drei bis vier Fahrern gingen vor zahlreichen Zuschauern auf den gut einen Kilometer langen, mit diversen Schwierigkeiten wie Spitzkehren, Hügelrampen und Sanddurchfahrten gespickten Kurs, der innerhalb von vier Stunden so oft wie möglich umrundet werden musste. Am Ende waren die „Widows“ und die „Bremsklötze“ nicht die Letzten - und die hochgerüsteten „Indutecs“ nicht die Ersten. Der Sieg ging nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen vielmehr an das ebenfalls mit einer bestens getunten Maschine angetretene Buirer Team „Ju Ka Bim“ um Herbert Machnitzki, das ebenso wie „Indutec“ 132 Runden schaffte, seine letzte Wertungsrunde aber 16 Sekunden eher beendete als die Verfolger. Noch weitaus länger als das Vier-Stunden-Rennen, nämlich bis weit nach Mitternacht, dauerte die anschließende After-Race-Party.



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